Schweizerkasten oder Magazinbeute

Vorwort

Ob Schweizerkasten, Dadant Blatt, Zander, Langstroh, ... dem Bienenvolk ist dies mehr oder weniger egal, so lange es genügend Platz hat und vor der Witterung geschützt ist. Schlussendlich muss jede Imkerin / jeder Imker selbst entscheiden, welche Betriebsart für Sie/Ihn am besten passt.

Unserer Ansicht nach ist die wohl wichtigste Frage: Traditionell Imkern mit Bienenhaus und Schweizerkasten oder modern Imkern mit Freiaufstellung und Magazinbeuten?

Schweizerkasten oder Magazinbeute? (pdf - Dokument)

Der Schweizerkasten


Der Schweizerkasten ist eine klassische Hinterbehandlungsbeute und das per Dato meist verbreitete Rähmchenmass in der Schweiz. Hinterbehandlung heisst dass alle Arbeiten am Volk von hinten ausgeführt werden. Daher müssen für eine volle Durchsicht des Volkes alle Waben in den Wabenknecht umgehängt werden. Nur so kommt man auch an die Wabe heran, welche dem Flugloch am nächsten steht. Hier eine Auflistung von Vor- und Nachteilen des Schweizerkastens:

  • Schweizerkästen haben meist Platz für 14 oder 16 Brutrahmen und zwei Etagen für Honigrähmchen. Das Raumangebot muss aufwändig mit Fenstern, Keilen und „Deckbrättli“ an die Stärke des Volkes angepasst werden.
  • Waben im Schweizermass werden sozusagen ausschliesslich in der Schweiz verwendet.
  • Schweizerkästen und Schweizer Rähmchen sind vergleichsweise teuer. Ein Kasten kostet je nach Anbieter von ca 300 bis 500 Franken.
  • Dank Hinterbehandlung könne die Kästen gestapelt werden, also übereinander angeordnet werden.
  • Ein Fenster erlaubt es die Bienen auf der hintersten Wabe zu beobachten.
  • Bienenhaus: Die Schweizerkästen eigen sich nur bedingt für die Freiaufstellung. Ein Bienenhaus (teuer...) oder zumindest ein guter Unterstand mit genügend Platz für den Wabenknecht ist notwendig.
  • Schweizerkästen eignen sich kaum zum Wandern
  • Die Handhabung des Schweizerkastens ist zeitaufwändig. Wenn auch die vorderen Brutwaben angeschaut werden sollen - und das ist zwischendurch Pflicht - so muss das ganze Volk Wabe für Wabe herausgenommen werden. Dazu werden eine Wabenzange zum „ziehen“ der Waben und ein Wabenknecht für die Zwischenlagerung der Waben benötigt.
  • Zur Varroadiagnose muss extra ein Gitter eingeschoben werden.
  • Das Füttern ist aufwändig da die Futtereinrichtungen (Leuenberger) nur wenige Liter fassen.
  • Weltweit gesehen werden Hinterbehandlungsbeuten (Schweizerkasten) zunehmend vom Markt verdrängt.
Als Vorteil sind natürlich auch die vielen, oft sehr gepflegten Bienenhäuser welche unsere Landschaft schmücken, zu erwähnen.

Den Schweizerkasten gibt es auch als Magazin. Davon würden wir aber strikte abraten. Wer mit Magazinen imkern will, soll sich gleich für ein Wabenmass entscheiden, das für die Magazinbetriebsweise gebaut ist (z.B. Dadant Blatt). Die kurzen Ohren und die Nagelung der Schweizer-Rähmchen eignen sich nicht für den Magazin-Betrieb.


Magazinbeute (Dadant Blatt)


Ausserhalb der Schweiz wird die grosse Mehrzahl der Bienen in Magazinbeuten gehalten. Diese Beuten werden von oben bewirtschaftet. Zu unterst steht, wie im Schweizerkasten, der Brutraum. Je nach Volksstärke und Trachtangebot werden dann ein oder mehrere Honigräume aufgesetzt:

  • Die Magazinbeute hat sich international durchgesetzt, auch in Ländern wo früher die Hinterbehandlungsbeute weit verbreitet war.
  • Internationale Verbreitung heisst auch mehr Auswahl und daher niedrigere Preise.
  • Behandlung von oben: man kann genau die Waben ziehen, welche von Interesse sind. Eine Durchsicht des Volkes geht rasch.
  • Freiaufstellung: Es braucht kein aufwändiges Bienenhaus. Eine Palette am Boden reicht vollkommen aus.
  • Einfache Honigernte: Dank Absperrgitter sind die Honigwaben immer Brutfrei. Wenn man 24 Stunden vor der Ernte eine Bienenflucht einsetzt kann man die Honigwaben sozusagen Bienenfrei ernten.
  • Rasches Auffüttern dank grosser Futterzarge (10 Liter) welche ohne Bienenkontakt nachgefüllt werden kann.
  • Im Dadant Blatt gibt es einen grossen ungeteilten Brutraum a 10 Waben.
  • Das Volk kann nach oben beliebig erweitert werden. Wobei hier mit Zargen und nicht mit einzelnen Rähmchen gearbeitet wird.
  • Ablegerbildung und Königinnenzucht sind relativ einfache Arbeitsschritte.
  • Das Arbeiten von oben heisst auch, dass die Zargen angehoben werden müssen. Volle Honigzargen können dabei recht schwer sein.
  • Beim Arbeiten mit den Bienen in Freiaufstellung sind tendenziell mehr Bienen in der Luft als im Bienenhaus.
  • Magazinbeuten eignen sich hervorragend für die Wanderung sowie die Freiaufstellung.
  • Die Lagerung der Rähmchen erfolgt direkt in den Zargen, welche über den Winter in trockenen unbeheizten Räumen gestapelt werden.
Unserer Ansicht nach überwiegen die Vorteile der Magazinimkerei ganz klar. Wir empfehlen daher jeder Neuimkerin / jedem Neuimker direkt mit der Magazinimkerei zu beginnen.


Wieso Dadant Blatt

Magazinimker diskutieren immer wieder, ob ein einfacher grosser Brutraum wie es Dadant Blatt bietet oder ein zweigeteilter Brutraum wie zum Beispiel im Zandermass besser ist. Die erleichterte, raschere Durchsicht sowie das ungeteilte Brutnest sind unserer Ansicht nach die Hauptgründe für Dadant Blatt. Zudem wurden in den letzten Jahren auch das „Zadant“ und „1.5 Zander“ Mass immer populärer. Diese Masse Basieren auf dem Zander Mass, welches einen geteilten 2-Zargigen Brutraum kennt. Mit den neuen Massen wird jedoch Dadant nachgeahmt, also ein grosser ungeteilter Brutraum und Honigrähmchen im Zander Mass. Dank diesen Hybridlösungen muss ein Zander-Imker, de auf Dadant umsteigen möchte, nicht alle Zargen und Rähmchen ersetzten.

Anderseits kann auch Dadant mit einem geteiltem Brutraum betrieben werden indem man 1/2-Rähmchen (Honigrähmchen) und zwei Zargen als Brutraum verwendet.

Das Rähmchenmass Dadant gründet sich auf den Imker und gleichzeitig Erfinder Charles Dadant (1819 – 1902) und ist heute zur eigenen Betriebsweise herangewachsen. Charles Dadant lebte wie viele Zeitgenossen in einer Phase der imkerlichen Modernisierung Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Grundlage der Dadant-Betriebsweise ist der einzargige Brutraum, welcher ausreichend Fläche für die Eiablage bietet, ohne durch eine zweite Zarge erweitert werden zu müssen. Durch diese Anforderung ergibt sich ein grosses Rähmchenmass mit circa 10.000 Zellen je Wabe. Das Rähmchen wird ausschliesslich für den Brutraum verwendet. Im Honigraum werde normalerweise 1/2  Rähmchen eingesetzt.

Den ersten grösseren Verbreitungsraum fand Dadant in Nordamerika, von dort aus verbreitete sich die Dadantbetriebsweise nach Europa und ist heute vor allem in Süd- und Osteuropa (Frankreich, Italien, Österreich) sehr verbreitet. Das Dadant Mass fasst jedoch auch in der Schweiz immer mehr Fuss und ist heute in der Süd- und Westschweiz weit verbreitet. Die Bienen nehmen durch die naturnahe Wabenform der geräumigen Brutwabe das Mass sehr gut an und bilden auf diesem sehr grosse Brutflächen aus.

Leider wurde im Verlaufe der Jahren verschiedene Dadant Masse entwickelt, welche untereinander nicht kompatibel sind: Dadant Blatt, Dadant US, Dadant Modifiziert. Unsere Beuten sind für Rähmchen mit den folgenden Massen geeignet, wobei kleinere Abweichungen tolerierbar sind:




Literatur

Im Internet sowie in den Buchhandlungen findet sich eine Vielfalt von interessanten Artikeln und Büchern. Doch jedes noch so gute Buch kann die Praxis nicht ersetzen...

Tip: Wirklich einfach Imkern mit Dadant.